Österreich : Kronprinz Rudolf. Ein Leben

Kronprinz Rudolf. Ein Leben

EUR 12,95


Das Standardwerk über den Kronprinzen! Sehr gelungen! - Alle zehn Jahre gibt es erneut ein Buch zum Thema Rudolf oder Mayerling, deswegen hat es mich auch gar nicht überrascht als nach einer längeren Durststrecke Brigitte Hamann ihr bereits 1978 erschienenes Buch über den Kronprinzen neu auflegte. 1978 war ihr Buch eine Sensation, durch genaue Archivarbeit und Quellenlektüre konnte sie viel Neues über den Kronprinzen berichten, unter anderem dass er als Julius Felix für das Neue Wiener Tagblatt geschrieben hat. Sie war die erste Historikerin, die den liberalen, freigeistigen Europäer Rudolf präsentierte und damit auch das bisherige Bild von ihm revidieren. Immerhin galt bis dahin die 1928 von Oskar Mitis herausgegebene Biographie des Kronprinzen als Standardwerk. Hamann gibt ein genaues Bild vom Leben Rudolfs seit seiner Geburt bis hin zu seinem verhängnisvollen Ende in Mayerling, Kindheit unter dem Sadisten Gondrecourt und dem liberalen Latour, der auf Bestreben der Kaiserin Elisabeth Gondrecourts brutale Erziehung ablöste. Rudolf war für seine zahllosen Liebschaften ebenso berühmt wie für seinen genialen Geist, den er in zahlreichen liberalen Artikeln gegen die aktuelle Politik, aber auch in wissenschaftliche Abhandlungen zum Ausdruck brachte, besonders begeisterte er sich dabei für die Ornithologie. Für Hamann gilt der Ablauf in Mayerling am 30.01.1889 auch für restlos geklärt: Rudolf erschoss zuerst Mary Vetsera, die ihn abgöttisch liebte, danach sich selbst. Laut Hamann gibt es für diverse Mordtheorien nicht genug stichhaltige Beweise und dürften daher ins Reich der zahlreichen Sagen, Mythen und Legenden von Mayerling eingeordnet werden.Es ist Hamann meiner Meinung nach hoch anzurechnen, dass sie dem Ende Rudolfs nicht sehr viel Raum in ihren Buch gibt. Für sie war es wichtiger, die Person Rudolfs mit ihren ganzen Facetten zu fassen, wie einen weiteren Mayerling-Schlager zu veröffentlichen. Sie argumentiert sachlich, quellenkritisch, auch ein wenig versöhnlich - ich kannte Hamann bisher nur als anti-habsburgerin und war über ihren durchwegs sanften Tonfalls öfters sehr erstaunt.Es ist auf jeden Fall ein sehr gelungenes Buch, dass jede Neugier über den Kronprinzen und auch über sein Ende stillt und auch versucht, mit vielen Klischees aufzuräumen. Einen Stern Abzug muss ich ihr dennoch geben, weil ich nicht immer mit ihr übereinstimme. Ich denke zum Beispiel nicht, dass Rudolf den Untergang der Monarchie oder auch den Ersten Weltkrieg hätte aufhalten können, erstens war er bereits mit 30 Jahren körperlich schwer angeschlagen ohne Hoffnung auf Genesung und zweitens wäre er 1916 schon knapp 60 Jahre alt gewesen. Ich denke, viele liberale radikale Ideen wären mit dem Älterwerden ganz allein versiegt.

Hamann kann auch anders... - Ich habe mir diese Biographie gekauft, nachdem ich Hamanns Buch über Kaiserin Elisabeth gelesen habe, welches mich tief beeindruckt hat. Die Biographie über Rudolf ist allerdings lange vor der über seine Mutter erschienen - was man dem Werk allzu deutlich anmerkt. Wo Elisabeths Leben aus vielerlei Perspektiven beschrieben wird und auch andere Schauplätze, Figuren und Hintergründe eingehend beleuchtet werden, verliert sich Hamann hier in der historischen Analyse politischer Begebenheiten. Die Darstellung Rudolfs als Inbegriff eines verhinderten, liberalen Thronfolgers in einer von restaurativen Kräften geprägten Monarchie ist Hamanns hauptsächliches Anliegen und leider, so scheint es, auch das einzige. Neben der überaus detailreichen und streckenweise auch redundanten Zeichnung des wissenschaftlich und politisch überaus interessierten Kronprinzen und seines historischen Kontextes bleiben die Ausführungen zum privaten Umfeld des Prinzen und dadurch auch das Bild des Protagonisten selbst recht einseitig und blass - so bedeutend und prägend das politische Umfeld für Rudolf sicherlich auch gewesen sein mag. Der Beziehung Rudolfs zu seinen Eltern, Geschwistern, zu seiner Frau, auch seiner Erkrankung und deren Folgen geht Hamann nur ansatzweise nach. Über allzu weite Strecken spart sie Rudolfs Privatleben jenseits politischer, journalistischer oder wissenschaftlicher Dimensionen geradezu aus, zeichnet es mit wenigen Strichen geradezu karikaturenhaft, erwähnt Familienmitglieder nur in Bildunterschriften oder Nebensätzen. Dem stellenweise überbordenden Reichtum an Material verdankt dieses Buch seinen unstreitbar besonderen Stellenwert. Es ist außer Frage eine qualitativ hochwertige Arbeit, die es in jedem Falle verdient, gelesen zu werden. Dennoch würde ich dieser Biographie etwas mehr von der gestalterischen Vielfalt und wissenschaftlichen Gewandheit wünschen, welche Hamanns Biographie der Kaiserin Elisabeth so auszeichnen.

Kronprinz Rudolfs Visionen - Fundiert und gut recherchiert - wie alle Bücher von Frau Hamann. Sie hat meiner Meinung nach den Vorteil, die Protagonisten selbst zu Wort kommen zu lassen, dadurch wird das Erzählte lebendig. Niemals trocken immer nachvollziehbar und vor allem eines der wenigen Bücher, das fern aller Sensationsgier die Hintergründe Mayerlings beleuchtet, ohne es aber zum Mittelpunkt des Geschehens zu machen.

Seiner Zeit weit voraus! - Ich freue mich sehr darüber, dass die lange vergriffene Rudolf-Biographie der Historikerin Brigitte Hamann nun in einer Neuauflage vorliegt.Brigitte Hamann nähert sich einer der schillerndsten Gestalten des ausgehenden 19. Jahrhunderts, dem Thronfolger Österreich-Ungarns, der mit seinem Doppelselbstmord in Mayerling alle Hoffnungen auf eine Erneuerung der Dynastie begrub.Als einziger Sohn des Kaisers Franz-Joseph und seiner Frau Elisabeth wurde er von frühester Kindheit mit Härte und militärischem Drill auf seine wichtige Aufgabe vorbereitet. Seine Mutter mischte sich nur einmal in die von der Großmutter geleitete Erziehung ihres Sohnes ein, als er von einem Erzieher fast zu Tode gequält wurde. Dieses Ereignis hat Rudolf so geprägt, dass er immer mit liebevoller Zuneigung an seiner sonst meist abwesenden Mutter hing.Die Beziehung zum Vater jedoch war nachhaltig gestört, vor allem nachdem Rudolf ein eigenes liberales, politisches Bewusstsein entwickelte und damit beim konservativ-restaurativen Kaiser auf Befremden und Ablehnung stieß.Die aus machtpolitischen Interessen geschlossene Ehe mit der belgischen Prinzessin Stefanie entwickelt sich zu einem Desaster.Unverstanden, zutiefst unglücklich über die politischen Fehlentscheidungen seines Vaters, vergräbt sich Rudolf mehr und mehr in seine Studien und beginnt eine Affaire mit der Gräfin Mary Vetsera, mit der er schließlich in den Tod geht.Brigitte Hamann hat viele Beweise angeführt, dass der Tod von Kronprinz Rudolf, dessen genauere Umstände lange Zeit unter der Decke gehalten wurden, vor allem politische Gründe hatte. Und sie zeigt auf, dass der unglücklíche Charakter Rudolfs zurückzuführen ist auf die wirklichkeitsferne Kälte, mit der das Kaiserhaus ein völlig isoliertes Leben führte.Ob die Geschichte anders verlaufen wäre, wenn Rudolf seinen Vater beerbt hätte? Zumindest die Schüsse von Sarajewo wären nicht gefallen und ein erster Weltkrieg hätte unter Umständen niemals stattgefunden. In jedem Fall jedoch wäre ein Kaiser Rudolf nach der langen Herrschaft des rückwärts gewandten Franz-Joseph eine Chance gewesen...Fast einhundertzwanzig Jahre nach Rudolfs Tod wird hier eine mittlerweile fast vergessene historische Persönlichkeit mit einer Kennerschaft beschrieben, die Brigitte Hamann zu einer herausragenden Chronistin österreichischer Geschichte macht.

Eine tragische Figur! - Das Buch von Brigitte Hamann kann als die Biografie über den Kronprinzen Rudolf bezeichnet werden. WIe kein anderes Buch stellt Hamann das Leben des Kronprinzen dar. Ich fand es sehr schön mehr über den Kronprinzen zu erfahren, denn leider wird sein Leben oft auf das tragische Unglück in Mayerling beschränkt. Was Rudolf sonst so gemacht hat, seine politischen Ansichten und die Beziehung zu Freuden, der Mutter Elisabeht und zum Vater, sowie zu seinen Geschwistern werden hier auch ausreichend beleuchtet. An manchen Stellen wird zwar etwas zu langatmig berichtet aber im großen und ganzen, bin ich froh darüber, dass uns über das Leben des Kronprinzen berichtet wird. Manchmal zerreißt es dem Leser das Herz, wenn er liest was für eine Kindheit Rudolf durchlebt haben muss. Und dann denkt man sich manchmal, dass es nicht verwunderlich ist, dass das Ende so tragisch war. Rudolf hätte, wenn er Kaiser geworden wäre, den Zerfall des Kaiserreichs vielleicht noch aufhalten können. Leider wurde ihm diese Chance nicht mehr gegeben.




Kronprinz Rudolf. Ein Leben